Ein „Ort mit einem Fenster in die Erdgeschichte“

Mitglieder des Eicklinger Heimatvereins zu Besuch bei den „Hänigser Teerkuhlen“

Trotz wechselhaftem Wetter mit dem Fahrrad angereistDie „Hänser Teerkuhlen“ wurden 1546 erstmalig in einem geologischen Fachbuch erwähnt. Hier handelt es sich um eines der ältesten, urkundlich erwähnten, Erdölvorkommen in Norddeutschland.

In seitlich mit Eichenbohlen ausgesteiften Gruben von ca. 2,5m Länge, 1,50 Breite und 2,5m Tiefe trat dickflüssiges Erdöl – auch Teer genannt – auf natürlichem Wege zu Tage. Dieses wurde mit Eimern geborgen, einem Gänseflügel abgeschöpft und als sog. „Hänigser Teer“ verkauft. Die jährliche Ausbeute je Kuhle schwankte zwischen ca. 30 und 300 Litern.

Mit einer Kiepe auf dem Rücken oder in einer Karre belieferten die „Hänigser Teerkerle“ seinerzeit die Ortschaften in der Umgebung. Dieses „Schmers“ fand damals nicht nur als Wagenschmiere bei den Bauern Verwendung, sondern wurde auch als Heilmittel für Mensch und Tier geschätzt.

Der Heimatbund Hänigsen hat in den vergangenen Jahren eine von ehemals 48 Kuhlen auf dem Kuhlenberg-Gelände reaktiviert.

Das dickflüssige Öl tritt aus einer porösen Lagerstätte im Randbereich des Hänigser Salzstockes hervor. Da es leichter als Wasser ist, gelangt es über das Grundwasser an die Grubenoberfläche.

Übrigens… die widersprüchlich erscheinende Ortsbezeichnung „Kuhlenberg“ erklärt sich folgendermaßen: durch den beim Herstellen der Teerkuhlen anfallenden Aushub entstanden auf dem Fördergelände natürliche Erhebungen; diese werden bergmännisch als „Berg“ bezeichnet.

Mit den ersten Tiefbohrungen am Salzstock ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die großflächige industrielle Förderung ein. In der gesamten Region des Feldkomplexes Nienhagen-Hänigsen wurden über die Jahrzehnte hinweg Millionen Tonnen Öl gewonnen, wobei die Produktion um 1960 ihren Höchststand erreichte.

Anhand historischer Exponate und Ausstellungsstücke bewahren und beschreiben die „Teerkerle“ des Heimatbundes Hänigsen die Geschichte und verschiedenen Formen der Erdölgewinnung. Und sie betreiben die letzte verbliebene Teerkuhle auf dem Gelände, aus der jährlich noch rund 10l Öl gewonnen werden. In kleinen Mengen abgefüllt können Besucher diese Proben des „schwarzen Goldes“ vor Ort erwerben.

An einem „Ort mit einem Fenster in die Erdgeschichte“ - an einer geologischen Stätte, an der verborgene Schichten der Vergangenheit direkt sichtbar und erlebbar gemacht werden. Und die mittlerweile als eingetragenes niedersächsisches Kulturdenkmal gilt.

(wb)

Letzte Bearbeitung: 13.10.2026, 09:31