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Unser Kreuz hat keine Haken – Vortrag zum Thema „Rechtsextremismus“ beim Heimatverein Eicklingen
Sätze wie „Unser Kreuz hat keine Haken“ oder aus der Bibel „Tu, was dir vor die Hand kommt“ beschreiben das, was den Ruheständler aus der Südheide umtreibt. Pastor i.R. Wilfried Manneke ist alles andere als ruhig. Am jüngsten Vortragsabend des Heimatvereins berichtete der engagierte Pastor, dass Aktionszentren der Rechten nur wenige Kilometer von seiner Wohnung entfernt bestanden haben oder noch bestehen. Seit Jahren lebt er mitten in einem Krisengebiet. Da fliegt schon mal ein Molotow-Cocktail neben seinem Küchenfenster an die Hauswand. Hakenkreuze an der Kirchentür. „Juden raus“- Rufe vor dem Haus. Drohungen per Mail oder auf Facebook. All das ereignete sich, nachdem er 1995 aus Südafrika – er war dort ein Dutzend Jahre Auslandspfarrer – zurückgekehrt und Pfarrer in Unterlüß war. Sein tiefer Glaube sowie die Erfahrungen, die Manneke mit dem Apartheid-System gemacht hat, erklären sein Engagement.
Parole und Plan der Rechten sei „Von den Dörfern in die Städte“. Er berichtete einerseits von ihren Immobilien und dortigen Treffen, die bei Nachfrage gern als „Brauchtumsfeiern“ verharmlost würden. Und andererseits von Organisationen, die aufklären und gegensteuern. Wie beispielsweise das „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“. Manneke selbst ist Vorsitzender der „Initiative Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ in der Ev.-luth. Landeskirche Hannover“. Wilfried Manneke weiter: „Nächstenliebe verlangt Klarheit. Jeder ist von Gott geschaffen und gewollt!“ Nach Grundgesetz und Bibel ist „die Würde des Menschen unantastbar. Die Kirche ist offen für alle Menschen.“ Sie sei multikulturell und mache keine Unterschiede bei der Hautfarbe. Bei den Rechten hingegen: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Recht des Stärkeren. 220 Tote habe es durch rechte Extremisten gegeben, allein zehn durch das NSU-Trio. Rechte Gruppen wie „Zyklon B“ oder „Combat 18“ seien mittlerweile zwar verboten. Waffenfunde und „Todeslisten“ alarmierten die Behörden ebenso wie die (verhinderte) Bestellung von 200 Leichensäcken samt Löschkalk durch eine Gruppe „Nordkreuz“.
Dem bebilderten Vortrag schloss sich eine engagierte Fragerunde an: Die wachsenden Erfolge der AfD nicht nur im Osten irritieren und geben Rätsel auf. Manneke weiß sich einig mit dem Fernsehjournalisten Georg Restle, dem Politiker Gerhard Baum() und der früheren Landesbischöfin Margot Käßmann: „Die AfD sind Neonazis!“ Acht Jahrzehnte nach Nationalsozialismus, Weltkrieg und rund sechs Millionen ermordeten Juden sollen laut Umfragen rund 20 Prozent der Deutschen rechten Ideen zugetan sein.
Alles vergessen? Nichts dazu gelernt? – Am Vortragsabend lag auch sein Buch zum Thema aus: „Guter Hirte, braune Wölfe“. Wilfried Manneke hat es zusammen mit Prof. Dr. Christoph Fasel geschrieben; erschienen ist es im Verlag „bene!“(Droemer-Knaur).
Unser Referent:
Wilfried Manneke, Jahrgang 1953, war nach seiner Ordination im Jahr 1983 für zwölf Jahre als EKD-Auslandspfarrer in Südafrika tätig. Von 1995 bis 2019 arbeitete er als Gemeindepfarrer in Unterlüß.
Er ist Gründungsmitglied des „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ und der „Initiative Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus“ in Niedersachen (IKDR). Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus wurde er im Jahr 2018 vom „Zentralrat der Juden in Deutschland“ mit dem „Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage“ ausgezeichnet.
(sff)

