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Wienhausen hat eine „rabenschwarze“ Vergangenheit
Vortragsabend beim Heimatverein Eicklingen
„Das wird ein rabenschwarzer Abend…“ - seine Eingangsworte ließen manche Zuhörerinnen und Zuhörer doch ein wenig zusammenzucken.
Aber Dietrich Schmidtsdorff konnte das schnell aufklären; denn dieser Ausspruch zählte zu einigen Sprichwörtern rund um den Rabenvogel, mit denen er seinen durchweg kurzweiligen Vortrag begann. Ob Galgenvogel, diebische Elster, Rabenväter und -mütter und noch vieles mehr… die Darstellung des Raben erscheint für uns immer in einem schlechten Licht. Zu Unrecht, wie Schmidtsdorff betonte! Denn sie gelten als intelligent, durchaus sympathisch und auch als „gewitzte Schlitzohren“.
Viel Wissenswertes rund um den Rabenvogel hatte Dietrich Schmidtsdorff in der Folge mit seinem Vortrag im Gasthaus Schumacher parat. Gespickt mit oftmals amüsanten Einblicken in Kultur und Geschichte.
Wem war bislang bekannt, dass Raben zur Gattung der Singvögel gehören und weltweit ca. 120 Arten unterschieden werden? Am bekanntesten sind hierzulande wohl Kolkrabe, Saatkrähe, Nebelkrähe, Elster, Eichelhäher und Dohle.
Nachfolgend ein paar Beispiele zum intelligenten Verhalten von Raben: sie
• haben die Intelligenz eines 7-jährigen Kindes
• können Werkzeuge verwenden
• erkennen Menschengesichter
• erkennen einen Betrüger in ihrer Gruppe und beenden die Zusammenarbeit mit unfairen Raben
• können zwischen Freunden und Feinden unterscheiden
• teilen ihre Nahrung innerhalb der Gruppe gleichmäßig auf
Da kann mancher Mensch schon etwas neidvoll hinüber schauen…
Zwischen Humor und Horror: Schriftsteller und Autoren befassten sich auf eigene Weise mit den Vögeln. Wilhelm Busch beispielsweise verwendete den Raben als satirische Figur; Alfred Hitchcock hingegen eher als Symbol für das Unheilvolle und Unberechenbare.
Aber noch mal ein Blick zurück in die Vorzeit und der Einstieg in den Gründungsmythos von Wienhausen: in der nordischen Mythologie trägt der Göttervater Odin zwei Raben auf seinen Schultern: Hugin, der Gedanke, und Munin, die Erinnerung.
Nach Auffassung von Dietrich Schmidtsdorff, der sich dazu alte schriftliche Überlieferungen zur Hilfe nahm, könnten diese beiden Vögel eine große Rolle zur Namensgebung Wienhausens gespielt haben. Denn bis zum Hochmittelalter (~1050 – 1250) wurde dieser Ort als Huginhusen bezeichnet. Und aus Munin könnte sich der Name der im frühen Mittelalter (~500 – 1050) bei Wienhausen vermuteten Mundburg abgeleitet haben.
Im Hochmittelalter findet sich anschließend mit Bezug auf die sich damals in großen Scharen aufhaltenden Weihen die Bezeichnung Wiginhusen oder auch Wygenhusen, also nochmals eine Benennung nach großen Vögeln. Letztlich war es dann Herzogin Agnes von Landsberg, die sich mit der Gründung des Klosters im Jahr 1233 von den gefiederten Tieren abwandte und diesem Ort den Namen „Wienhusen“ (= Weinberg des Herrn) gab.
(wb)

