Heimatverein Altes Amt Eicklingen

Biber im Flotwedel

Der Biber zurück im Flotwedel“

Es waren bemerkenswerte Eindrücke, die unser Referent Klaus J. Borchert zum besseren Verständnis über das Leben und Tun des Bibers für das zahlreiche Publikum aus Naturschützern, neugierigen Bürgerinnen und Bürgern sowie fachlich interessierten Landwirten und Vertretern der Jägerschaft parat hatte.

Unser Referent Klaus J. Borchert ist stellvertretender Vorsitzender des NABU - Kreisverbandes Gifhorn e.V. Der Leiter der „Arbeitsgruppe Biber“ gilt als regionaler Biber-Fachmann.

 

 

 

 

 

Der Biber wird bis zu 100cm lang. Dazu kommt dann noch sein Schwanz, auch „Biberkelle“ genannt, mit bis zu 35cm. Das alles bei einem Gewicht von 25 bis 30kg. Sein Fell zeichnet sich durch eine dichte Behaarung aus (Bauch: 23.000 / cm2, Rücken: 12.000 / cm2) Zum Vergleich: das menschliche Haarkleid beträgt durchschnittlich 80 / cm2. Der Biber kann schlecht sehen, dafür aber gut hören. Er hat einen sehr guten Geruchssinn und er ist reiner Vegetarier. Im Durchschnitt wird er 8 Jahre alt.

Hat sich der Biber nach umfangreichen Ortserkundungen in seinem Revier eingerichtet, bleibt er dort mit seiner Familie ein Leben lang. Hier errichtet er zahlreiche Erdbaue, die ihm neben reinen Wohnzwecken vielfach als Fluchtorte bei drohenden Gefahren dienen. Die Zugänge stets unterhalb der Wasserlinie, damit Fressfeinde keinen Zugriff haben.

Bekanntermaßen siedelt der fleißige Baumeister an Gewässern. Dort ernährt er sich von Kräutern und Wasserpflanzen. Im Winter pickt er sich auch gerne Eicheln vom Boden. Bäume werden gefällt, um an die Rinde sowie an die weicheren und nahrhafteren Äste und Zweige zu gelangen.

Mit seinen Dammbauten schafft der naturnahe Landschaftsarchitekt und Wasserbauer durch Vernässung von Flächen bessere Lebensbedingungen. Für sich und für viele weitere Pflanzen und Tiere. Den Schutz des Wassers benötigt er zur Suche nach Nahrung und zur sicheren Fortbewegung. Seine Tätigkeiten gefallen nicht jedem… aber der Biber hilft z. B. mit bei der Unterhaltung von Gewässern! Denn dort, wo oftmals die Räumung von Abflüssen durch den Menschen unterbleibt, sorgt er durch seine regelmäßige Nutzung für freie Rinnen, in denen das Wasser wieder fließt.

Und wie kam der Biber nun zu uns ins Flotwedel?
Nachdem um 1900 im deutschsprachigen Raum nur noch etwa 200 Biber gezählt wurden, begann ab 1966 zunächst an bayrischen Gewässern eine Wiederansiedlung mit Tieren aus benachbarten Staaten. Durch natürliche Ausbreitung von Südost nach Nordwest gelangten im Jahr 2004 erste Exemplare über die Ohre in den Landkreis Gifhorn und danach weiter in das Einzugsgebiet von Aller und Oker. Ab 2012 waren sie dann auch im Raum Langlingen angekommen. Mittlerweile dürften bereits alle Gewässer unserer Region von ihm erforscht sein. Aber er siedelt sich am Ende nur an ausgewählten Plätzen an; nämlich dort, wo ihm auch genügend Nahrung zur Verfügung steht. Und das ist im Flotwedel nur begrenzt der Fall. Aber auch da müssen wir uns arrangieren.
Anschaulich dargestellt - Gefahren für den Biberbau durch gewässernahe Flächenbewirtschaftung: wird zu nah an das Gewässer heran geackert, entstehen Konfliktsituationen; der Bau droht einzubrechen. Erfolgreiche Abhilfe kann ein Uferrandstreifen mit Gehölzen schaffen. Hier findet der Biber Nahrung und sein Bau ist geschützt.
„Wir alle lernen noch, um dann Lösungen zu finden“, so Klaus Borchert. Es bleibt also spannend, wie wir das Miteinander von Mensch und Biber, von Wirtschaft und Natur ausgewogen hinbekommen.

(wb)

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