Stummfilm dokumentierte
1931 das ländliche Leben
 

Kuh, Schwein, Mensch – alle unter einem Dach. Wurst und Speckseiten hängen oben unterm Strohdach, der Mäuse wegen. Das offene Herdfeuer verqualmt das Niedersachsenhaus. Im Film sieht das richtig schön aus. Doch so wirklich gesund und gemütlich kann das nicht gewesen sein. Aber so war das früher auf dem Land, berichtete Erika Jaschinski kenntnisreich und humorvoll.

Die in Tracht auftretende Fremdenführerin aus Sittensen zeigte bei Schumacher dem Stummfilm „Die Heide stirbt“, gedreht 1931 im Raum Zeven auf Heide und Geest. Optisch durchaus vergleichbar mit dem Flotwedel, statt der Aller fließt allerdings die Oste durch den Film. Melken auf der Weide, wöchentliches Brotbacken, mühsames Einbringen der Ernte, Dreschflegel auf der Tenne, alles harte Arbeit. Der Begriff Plackerei geht die früher übliche Plaggenwirtschaft zurück, auf die erst mit dem Aufkommen der Mineraldünger verzichtet werden konnte. Es war also keineswegs eine nostalgische „gute alte Zeit“.

Gefilmt wurde auch im Teufelsmoor, und dort stammt der bittere Spruch her: „Des ersten sein Tod, des zweiten seine Not, des Dritten sein Brot“. Das heißt, erst die dritte Siedlergeneration erreichte ein einigermaßen auskömmliches Dasein. Gleichwohl zeigten die gefilmten Personen auch Fröhlichkeit und Zuversicht. Tanzende Jugend auf einer Wiese: Hier wie in der Spinnstube – Mädels am Spinnrad, die Jungs stricken(!) – wurde mächtig geflirtet und Ausschau gehalten. Was dann in eine Hochzeit mündete, die so ganz anders ablief als heute. Die junge Frau unter mächtiger Brautkrone, die Festgesellschaft beim steifen Scheeßeler Schreittanz.

Am anderen Ende des Lebensweges der Sarg auf dem Leiterwagen, auf dem auch die trauernden Frauen Platz nahmen; die Männer marschierten zu Fuß zur Kirche.

Erika Jaschinski erläuterte die von Dorf zu Dorf unterschiedlichen und im Film gezeigten Trachten, die bis 1900 normale Arbeitskleidung, um 1930 aber bereits im Schwinden begriffen waren. Wie die Heide selbst, die Stück für Stück unter den Pflug genommen wurde.

sff

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